Rolf Kühn
Ein deutscher Jazzmusiker von Weltformat, das war und bleibt eine ganz rare Ausnahme. Der Klarinettist Rolf Kühn gehört zu dieser Königsklasse. Und auch in anderer Hinsicht zählt er zu den "Ausnahmekünstlern": Wie keinem anderen gelang es ihm, auf seinem Instrument einen Ton zu entwickeln, der in unterschiedlichen Stilbezirken völlig unverwechselbar bleibt - warm, rund und vollendet. Man darf das Spiel von Rolf Kühn mit "Reife" bezeichnen. Er hat die gesamte Geschichte des Jazz assimiliert. Als einer der ersten deutschen Jazzmusiker, fand er schon in den fünfziger Jahren im Ursprungsland des Jazz, in den USA, gebührende Anerkennung. Er war an der Seite von mit Benny Goodman zu hören, leitete zeitweilig sogar dessen Orchestra, und entwickelte, inspiriert von Buddy DeFranco, einen gänzlich eigenen, modernen Ausdruck auf der Klarinette. Rolf Kühn hat mit der Crème de la Crème des Jazzrock, mit Chick Corea, Dave Liebman, Michael und Randy Brecker, mit musikalischen Freigeistern wie Lee Konitz, Albert Mangelsdorff und Ornette Coleman gespielt und lässt sich vor diesem weit gespannten Erfahrungshorizont auch heute noch beständig auf neue Spielabenteuer ein. Darin gleicht er seinem Bruder, dem Pianisten Joachim Kühn, mit dem er immer wieder in wechselnden Spielzusammenhängen zusammentrifft - aktuell mit einer Reminiszenz an die 1967 aufgenommene Kultplatte "Impressions of New York", seinerzeit aufgenommen mit dem John-Coltrane Bassisten Jimmy Garrison.

In der Spielvereinigung "Rolf Kühn Unit" mit dem Gitarristen Ronny Graupe, dem Bassisten Johannes Fink sowie dem Schlagzeuger Christian Lillinger trifft der Klarinettist mit exzellenten Musikern der Berliner Szene zusammen, die seine Söhne oder gar seine Enkel sein könnten. Im Prozess gemeinsamen Improvisierens kommt es zum beständigen Geben und Nehmen. Die Jüngeren profitieren vom musikalischen Erfahrungsschatz des Altmeisters, der sich seinerseits von den frischen Ideen seiner Bandmitglieder inspirieren lässt und auf diese Weise eindrücklich zum Band der Generationen im Jazz bekennt. Rolf Kühn, der für sein Lebenswerk mit der Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik und, gemeinsam mit seinem Bruder Joachim Kühn, mit dem Jazz-Echo-Preis ausgezeichnet wurde, verbindet in seinem Spiel Eleganz mit Wagemut und vitale Musizierfreude mit reifer Souveränität. 2016 wurde er erneut mit dem JazzECHO als bester Instrumentalist des Jahres national (woodwinds) ausgezeichnet.


Dr. Bert Noglik
Rolf Kühn
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